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Wiglaf Droste

1961 in Herford / Westfalen geboren, war in seiner Jugend Redakteur der ‚taz‘ und der ‚Titanic‘ und veröffentlicht heute regelmäßig im Funk (Figaro, RBB), in der Zeitschrift ‚Das Magazin‘ und vor allem in der vierteljährlich erscheinenden kulinarischen Kampfschrift ‚Häuptling Eigener Herd‘, die er seit 1999 gemeinsam mit dem Stuttgarter Meisterkoch Vincent Klink herausgibt. Seit Dezember 2010 schreibt er eine tägliche Kolumne in der überregionalen Tageszeitung ‚junge Welt’. Ab März 2013 schreibt er für das ‚NZZ Folio’ die Kolumne „Nomade im Speck“.

Für seine Arbeit wurde Droste 2003 mit dem Ben Witter-Preis, 2005 mit dem Annette von Droste Hülshoff-Preis und 2010 mit dem „Ringelnuts“-Preis der Neokompressionisten ausgezeichnet. Von März bis Juli 2009 war er Stadtschreiber zu Rheinsberg.

Seit kurzem ist Wiglaf Droste auch wieder als Sänger zu erleben, zusammen mit der ‚Tünseltown Rebellion Band’ (Andreas David, Daniel Danda Cordes, Torsten Puls).



Aktuelle Veröffentlichungen
• Sprichst du noch, oder kommunizierst du schon? (Edition Tiamat 2012)
• Sprichst du noch, oder kommunizierst du schon? (2 CD, WortArt 2012)
• Häuptling Eigener Herd, Heft 53: Krauts & Rüben (Dezember 2012)
• Liebe (mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach, DuMont 2012)

• Meine ostdeutschen Adoptiveltern und ihr missratener Sohn aus dem Westen, Wiglaf Droste, Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky live im Theater am Rand, Zollbrücke (Buschfunk))

Über "Sprichst du noch, oder kommunizierst du schon?"
"Droste ist einer der besten deutschen Prosa-Autoren im unterschätzten Genre der kurzen Form, und weit mehr als einer der orthographisch-grammatikalischen Wutbürger, die das Feld der Sprachkritik gern besetzen. ... Eine Gesellschaft, die gegen Fluglärm protestiert, es aber mehrheitlich verlernt hat, leise zu sprechen, braucht dieses Buch." Gustav Seibt Süddeutsche Zeitung, 13.04.2012
"Droste ist ein beneidenswerter Stilist. (...) Bei allem schneidenden Witz: Wiglaf Droste ist ein Sprachliebhaber. Wenn er in die Tiefen des Duden taucht, kommt er erfreut mit der 'Bratpfanne' wieder heraus. Ein herrliches Wort! 'Die Bratpfanne zeigt sich hilfreich bei der Kulturleistung, das Rohe zu überwinden.' Genau wie dieses Buch." Zeit online 19.04.2012

Bibliografie

• Kommunikaze (a-verbal 1989, Neuauflagen bei Weißer Stein und Edition Nautilus)
• Mein Kampf, dein Kampf (Edition Nautilus 1992)
• In 80 Phrasen um die Welt, mit Rattelschneck (Edition Nautilus 1992, erweiterte Neuauflage 2004)
• Am Arsch die Räuber (Edition Nautilus 1993)
• Sieger sehen anders aus (Edition Nautilus 1994)
• Brot und Gürtelrosen (Edition Tiamat 1995, TB Reclam Leipzig 2002)
• Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses (Edition Nautilus 1997)
• In welchem Pott schläft Gott?, mit Rattelschneck (Edition Nautilus 1998)
• Zen-Buddhismus und Zellulitis (Kunstmann 1999, TB Rowohlt 2005)
• Bombardiert Belgien! (Edition Tiamat 1999, TB Reclam Leipzig 2002)
• Die Rolle der Frau (Edition Tiamat 2001, TB Reclam Leipzig 2003)
• Der Infrarote Korsar (Edition Tiamat 2003, TB Reclam Leipzig 2004)
• Wir sägen uns die Beine ab und sehen aus wie Gregor Gysi (Edition Tiamat 2004, TB Reclam Leipzig 2005)
• Nutzt gar nichts, es ist Liebe, Gedichte (Reclam Leipzig 2005)
• Kafkas Affe stampft den Blues (Edition Tiamat 2006, TB Reclam 2007)
• Wurst (mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach, DuMont 2006)
• Will denn in China gar kein Sack Reis mehr umfallen? (Edition Tiamat, 2007)
• Weihnachten (mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach, DuMont 2007)
• Wein (mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach, DuMont 2008)
• Wir schnallen den Gürtel weiter, mit Vincent Klink (Reclam 2008)
• Im Sparadies der Friseure (Edition Tiamat 2009)
• Wild (mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach, DuMont 2010)
• Auf sie mit Idyll! (2011)
• Wasabi dir nur getan? Neue Gedichte (in Vorbereitung)
• Gemüse (mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach, DuMont 2011)
• Sprichst du noch, oder kommunizierst du schon? (Edition Tiamat 2012)
• Liebe (mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach, DuMont 2012)

Schundromantrilogie mit Gerhard Henschel
• Der Barbier von Bebra (Edition Nautilus 1996, TB Fischer 1998)
• Der Mullah von Bullerbü (Edition Nautilus 2000, TB Goldmann 2001)
• Die Wüstensöhne von Wipperfürth [in Vorbereitung]

Übersetzung
• Axel Scheffler/Julia Donaldson, Stockmann (zusammen mit Stefan Maelck)
• Axel Scheffler/Julia Donaldson, Tommi Tatze

Diskografie

CDs mit eigenen Texten und Liedern
• Grönemeyer kann nicht tanzen, mit Bela B. (WeserLabel 1989)
• Genschman, mit Bela B. / Titanic u.a. (Fünfundvierzig 1989)
• Supi! Supi! Supi! (Frühstyxradio 1993)
• Die schweren Jahre ab 33, mit Funny van Dannen (Frühstyxradio 1995)
• Wieso heißen plötzlich alle Oliver?, mit Danny Dziuk u.a. (Motor Music 1996)
• Mariscos y Maricones, mit Boni Koller (Frühstyxradio 1999)
• Das Paradies ist keine evangelische Autobahnkirche (2 CDs, Mundraub 2001)
• Ich schulde einem Lokführer eine Geburt (Mundraub 2003)
• Das Große IchundDu, Gedichte und Lieder, mit Danny Dziuk (Kunstmann 2003)
• Westfalian Alien (Mundraub 2005)
• Häuptling Eigener Herd, mit Vincent Klink (Der Hörverlag 2008)
• Am Nebentisch belauscht (Kunstmann Verlag 2009)
• Im Sparadies der Friseure (WortArt, 2010)
• Meine ostdeutschen Adoptiveltern und ihr missratener Sohn aus dem Westen (mit Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky, Buschfunk)
• Sprichst du noch, oder kommunizierst du schon? (WortArt, 2012)
• Wurst (mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach, WortArt, 2012)

Musik-CDs mit dem Spardosen-Terzett
• Für immer (Kunstmann 2000)
• Wolken ziehn (Roof Music 2002)
• Das Konzert (Kunstmann 2004)
• Seit du dabist auf der Welt - Lieder nach Gedichten von Peter Hacks (Kein & Aber 2008)
• Voilà, ein Tusch! Für Wilhelm Busch (Kulturgut Nottbeck 2008)

CDs als Sprecher nichteigener Texte
• Voltaire: Candide (3 CDs, Kunstmann 2002)
• Dashiell Hammett: Das Große Umlegen, mit Katharina Thalbach (2 CDs, Edition Tiamat 2002)
• Ralf Sotscheck: Gebrauchsanweisung für Irland, mit Harry Rowohlt und Ralf Sotscheck (Roofmusic / Tacheles 2004)
• Volker Kriegel: Erwin mit der Tröte (Kein & Aber 2004)
• Peter Hacks: Der Bär auf dem Försterball, mit F.W. Bernstein und Rayk Wieland, Musik von Ernst-Ludwig Petrowsky (OhrEule 2004)
• Jimmie Rodgers: Güterzüge und Gitarren, 2 CDs (Bear Family Records 2005)
• Kinky Friedman: Greenwich Killing Time, 5 CDs (Bear Family Records 2005)
• Kinky Friedman: Lone Star, 4 CDs (Bear Family Records 2005)
• James Krüss: Mein Urgroßvater, die Helden und ich, 2 CDs (Kein & Aber 2006)
• Christian Dietrich Grabbe: Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung, gemeinsam mit Harry Rowohlt, 2 CDs (Random House 2006)
• Bill Buford, Hitze (der Hörverlag 2008)
• Dashiell Hammet, Der Malteser Falke, 8 CDs (Diogenes 2009)

Texte und Lieder in zahllosen Buch- und CD-Anthologien

Pressestimmen

Der unbestrittene Höhepunkt des Abends war jedoch, wenn der dandyhafte Droste seinen Vorlesetisch am Rande der Bühne verließ, um mit der „Tünseltown Rebellion Band“ musikalische Akzente zu setzen. Die Band mit der Besetzung Gitarre, Mandoline und Kontrabass sorgte für ein angenehm-jazziges Verquirlen verschiedener Musikstile, denen Droste mit doppelbödigen Texten den letzten Schliff verlieh. Und da wurde es politisch, nicht nur mit der Coverversion von „Wölfe mitten im Mai“ des 2011 verstorbenen Franz-Josef Degenhardt, wobei in dessen allegorischem Dauerfeuer auch ein Spickzettel erlaubt blieb. Und neben dem „Grätenwerfer in der Fischmehlfabrik“, dessen Songtext die Lüge des Fischfilets à la Bordelaise thematisiert und dem Tom-Petty-Klassiker „I won’t back down“, den er in der Johnny-Cash-Version lieferte, bekam besonders einer sein Fett weg: Silvio Berlusconi, die „medial multiple Ölpfütze von Mann“. Droste verbot ihm einfach die italienischen Teigwaren: „Basta, Berlusconi, no pasta per te!“ Nein, Wiglaf Droste steht Ernsthaftigkeit ganz gut, besonders in seinen Songtexten: „Schon seltsam, wie leicht man vergisst, dass alles, was man tut, für immer ist“ – suchen Sie da mal den Gag!
Potsdamer Neuste Nachrichten 19.01.13

»Wiglaf Droste liest (Hammetts Romane) mit vollendeter Lakonie und gleichzeitig großer gestalterischer Kraft. Als Vorleser ist er schlicht der beste. Besser geht's nicht, also Höchstwertung.« Jazzthetik

»Chapeau – die kleinbürgerlich brandenburgischen Ausflugswelten beschreibt Meister Wiglaf Droste in seinem kleinen, aber feinen Büchlein „Auf Sie mit Idyll!“ in einem Stil, als wär’s ein Stück von Tucholsky. Was es auch koste – lesen Sie Droste.« Welt online, 21.05. 2011

»Wenn Droste seine Sprache entsichert, fließen eben nicht Blut oder Galle, sondern Weisheit und Witz.«
Süddeutsche Zeitung, 06.08.2010

Wo bist du, Bovist du
Pilze sind eine Leidenschaft, der man nach Tschernobyl nur noch literarisch frönen kann. Wie schade – und wie unterhaltsam, wenn Wiglaf Droste ihr frönt, fabulierend und reimend „Wo bist du, Bovist du“. Dabei ist es ziemlich egal, welchem Thema sich Droste zuneigt – das zeichnet ihn als realitätsgestählten Satireprofi aus. Ob es um das Brot des Monats geht, die Verbissenheitskulinarik der Zeitungstestesser oder die Dummheit der TV-Köche, Droste fährt ihnen mit einem geschliffenen Wortschwall in die Parade. Zur Hochform läuft er aber erst dann auf, wenn er wirklich leidet. Angesichts knotenwadiger Fitnessrentner etwa oder im Lärmschwall von Gerüstbauern, den Puhdys oder dieses „Mannheimer Wimmerschinkens“. Nach der Lektüre dieser Textsammlung wuchern im Leser ebenfalls böse Gedanken: Droste muss noch viel mehr leiden und niederschreiben.
Helmut Mauró, Süddeutsche Zeitung 05.07. 2011 über „Auf sie mit Idyll“ von Wiglaf Droste, Edition Tiamat 2011

»Wiglaf Droste breitet für den Leser eine auf Lorbeeren und Lavendelblüten gebettete und vom Licht des hellsichtigen Gedankens durchdrungene Aura des Vergnügens aus, welche man heutzutage ansonsten allenfalls durch den Rückgriff auf Oscar Wilde, Hermann L. Gremliza und Heinrich Heine kennt.« Reinhard Jellen, junge Welt

»Gegen den Niedergang kann keiner an?
Doch, einer, Wiglaf Droste heißt der Mann.«
Arnold Schölzel, junge Welt

„Alles Neubiedermeierliche, alles Vermiefte des ach so coolen Lifestylelebens spießt Droste auf und glasiert es mit einer Extraportion Hohn und Spott. Ein köstlicher Schnappschuss mit scharfen und schrägen Bildern, brillant rezitiert.“
(Psychologie heute über „Am Nebentisch belauscht“)

»Es scheint mir wohl kaum übertrieben, Droste als den ›Tucholsky unserer Tage‹ zu bezeichnen – ich wüsste jedenfalls kaum einen anderen Autor, der sowohl in der satirischen Schärfe wie auch in der melancholischen Nachdenklichkeit dem ›Heinrich Heine des 20. Jahrhunderts‹ so nahe kommt wie er. Und das alles mit wissendem Charme und in wunderbarer sprachlicher Leichtigkeit. Ich jedenfalls habe ihn so lange für den Kurt Tucholsky Literaturpreis vorgeschlagen, bis ich nicht mehr in die Jury gebeten wurde.«
Dr. Peter Böthig Kurt-Tucholsky-Museum Rheinsberg

»Kaffee Togo mit Tucholsky«
Im Sparadies der Friseure von Wiglaf Droste
»Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf«, steht bei Kurt Tucholsky. Dummerweise wird diese Waffe meist gegen einen gerichtet, und zwar von den Bösen. Zurückschießen wäre da reine Notwehr für jeden, der wie Wiglaf Droste eine »dünne Ohrenhaut« besitzt. Doch wenn Droste seine Sprache entsichert, fließen eben nicht Blut oder Galle, sondern Weisheit und Witz. »Wer Unfug als solchen erkennt, hat ihn bereits dingfest gemacht und muss sich nicht benehmen, als gäbe es eine Meldepflicht für schlechte Laune«, schreibt der fröhliche Sprachkritiker in seinen gesammelten Glossen »Im Sparadies der Friseure«. Ein schönes Beispiel für sprachzivilen Ungehorsam fern von »Sprachschutzstaffeln“ und »kernseifenem Deutsch«, geben, so Droste, etwa jene, die sich dumm stellen und einen »Kaffee Togo“ bestellen. Damit bremsen sie den angeberischen »Coffee to go« aus.
Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung, 06.08.2010

»Wiglaf Droste ist ein genauer Beobachter; seine Texte sind scharf, boshaft, polemisch, so grenzwertig wie kompromisslos, bestechend wahrhaftig, in ihrer brillanten Diktion unvergleichlich komisch und höchst kurzweilig.« Donaukurier

„Wiglaf Droste in Bestform: als grandioser Rezitator, als meisterhafter Stilistiker und als Philosoph des Wortes.“
Bayerischer Rundfunk zu „Am Nebentisch belauscht“

„Droste fühlt das Einzelne heraus, in dem sich bündig unser Ganzes ausspricht. Er hat Nase und Temperament des echten Satirikers."
Süddeutsche Zeitung, Juni 2006

„Der Tom Waits der satirischen Schnappschüsse.“ Galore, Mai 2006

„Wiglaf Droste ist ein genauer Beobachter; er redet nicht drumrum, seine Texte sind scharf, boshaft, polemisch, so grenzwertig wie kompromisslos, bestechend wahrhaftig, in ihrer brillanten Diktion einfach unvergleichlich komisch und höchst kurzweilig.“
Donaukurier, Ingolstadt, Mai 2009

“Wiglaf Droste vereint in diesem Buch zwei Rollen, die entgegen einem verwaschenen Sprachgebrauch nicht unbedingt zusammengehören: Der Satiriker höhnt und äfft nach aus Verachtung; der Humorist, menschlicher Gebrechlichkeit selbst nicht völlig fern, verwandelt sich diese an, schwingt sogar mit und umspinnt den Irrsinn mit einem Hauch von Wärme, mit Melancholie. Beides kann Droste.” Süddeutsche Zeitung 04.04.09

"Besonders Droste und Sotscheck zeigten, welch satirisches Potential in genauer Beobachtung liegt. Den Wahnwitz der alltäglichen und banalen Dinge aufzudecken gelingt nur durch gründliches Hinschauen. Das Beobachtete mit sanfter Ironie zu verfremden und die Absurdität zu steigern ist feinste Loriot-Schule, und das beherrschen Droste wie Sotscheck meisterhaft. Wer sonst als Droste weiß so akkurat zu beschreiben, wie es aussieht, wenn Kollege Sotscheck am Bahnhof eine Currywurst mit Schaschlik verspeist. Der scherzhaft in Aussicht gestellte Bildband über den Vorgang ist überflüssig, so genau stand dem Publikum die Szene vor Augen. Wenn Sotscheck lakonisch davon berichtet, welches Unheil aus dem Wunsch erwachsen kann, spätabends im Hotelzimmer eine Flasche Rotwein zu öffnen, dann erinnert das unweigerlich an Loriots berühmten Sketch, der mit dem harmlosen Versuch beginnt, ein Bild geradzurücken."
Rhein-Main-Zeitung 12.01.09 über das "Tom Produkt Literaturfest" im Mousonturm Frankfurt

"'Wein' ist hochprozentig, abgründig, sehr böse und sehr lustig."
Die Welt 01.11.08

„Droste ist nicht nur ein genialer Satiriker und Kolumnist, er ist auch ein grandioser Rezitator. Obgleich immer butterweich, erreicht seine Stimme verschiedene Register: tief und rauh, hauchend, polternd.“
Hannoversche Allgemeine Zeitung 31.10.08

 

Die volle Dosis Elend nehmen

Wiglaf Drostes Aufprallprosa im Freiburger Jazzhaus

Muss jemand, der ein mitreisendes älteres Ehepaar beschreibt als "von der Mütze bis zum Schuhwerk geriatriefarben angezogen, in dieser spezifischen Mischung aus beige, grau und grün, die vom Herannahen des Todes kündet", nicht ein garstiger Misanthrop sein? Mag sein. Auf der Bühne des Freiburger Jazzhauses ist der Autor, Polemiker und Sänger Wiglaf Droste höflich und charmant, macht dem Publikum Komplimente für den freundlichen Begrüßungsapplaus und wird sich am Ende sogar mit einem kindlich-übermütigen Radschlag verabschieden. Vielleicht ist er aber auch nur ein kurzzeitig besänftigter Grummler, der gute Laune hat, weil er so viele hundert Kilometer zwischen sich und den "in seinem Herzen Hass und Jauche schöpfenden Brandenburger" gebracht hat, von dem er in seiner Wahlheimat Berlin tagein tagaus belagert wird.

Vielleicht sind es aber auch die Jazzhausbesucher, die den Gast gnädig stimmen. Ein aufgewecktes Publikum von so ausgefuchster Humorsensibilität, dass es Pointen schon im Ansatz glaubwürdig weglachen kann. Oder es liegt an der auffälligen Häufung von Vollbärten, die ausnahmsweise von sympathischem Witzverständnis gedüngt scheinen und nicht wie sonst von weltanschaulichem Fanatismus oder oberlehrerhafter Zauseligkeit. Vielleicht ist die Höflichkeit von Wiglaf Droste aber auch der Ausdruck einer tiefen, existentiellen, ja existentialistischen Liebe zu den Menschen, die sich aus dem Credo speist, das er an diesem Abend in der Kolumne "Existentialismus heute" so erklärt: "Nicht ausweichen, die volle Dosis Elend nehmen, die ganze Portion, bis zur Neige, und dann sagen: Ja, ich will - das ist Leben."

Wer nicht ausweicht, prallt zusammen. Wenige beherrschen die Aufprallprosa so gut wie Droste. Kollisionspartner können schon mal einen olfaktorischen Schweif aus Nivea, Schweiß und Franzbranntwein hinter sich her ziehende Nordic Walker sein oder einfach Kevins, die anders heißen würden, wenn ihre Eltern sie wirklich geliebt hätten. Bei dieser anstrengenden Art von Menschenbegegnungsbewältigung wundert man sich nicht, dass Wiglaf Droste Glück in einem Wald voller Steinpilze und bar jeder Menschen findet. Trotzdem zeigt er sich bei seiner Lesung im menschenvollen Jazzhaus als warmherziger, mitfühlender Mann und spendet seinem von Spottlachen gebeutelten Publikum Trost mit einer a cappella vorgetragenen, pidgindeutschen Version von "Blowin' In The Wind". Als er sich später mit besagtem übermütigen Radschlag von der Bühne verabschiedet, tut es ihm sein Publikum im Herzen nach.

Jürgen Reuß
Badische Zeitung, 15.11.2006

 

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Sprichst du noch, oder kommunizierst du schon?
AKTUELLE CD
Sprichst du noch, oder kommunizierst du schon?
Foto: Axel Martens
Wiglaf Droste, Uschi Brüning, Ernst Ludwig Petrowsky