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Wiglaf Droste

Am Nebentisch belauscht

1961 in Herford / Westfalen geboren, war in seiner Jugend Redakteur der ‚taz‘ und der ‚Titanic‘ und veröffentlicht heute regelmäßig im Funk (BR, MDR Figaro, RBB, SWR, WDR), in der Zeitschrift ‚Das Magazin‘ und vor allem in der vierteljährlich erscheinenden kulinarischen Kampfschrift ‚Häuptling Eigener Herd‘, die er seit 1999 gemeinsam mit dem Stuttgarter Meisterkoch Vincent Klink herausgibt.
Für seine Arbeit wurde Droste 2003 mit dem Ben Witter-Preis und 2005 mit dem Annette von Droste Hülshoff-Preis ausgezeichnet. Von März bis Juli 2009 war er Stadtschreiber zu Rheinsberg.

 

Veröffentlichungen 2009 (Auswahl)

Bücher
Im Sparadies der Friseure. Eine kleine Sprachkritik (Edition Tiamat)
Will denn in China gar kein Sack Reis mehr umfallen? (Reclam)
Auf sie mit Idyll! (Rheinsberger Bogen 29)

Hörbücher
Dashiell Hammett: Der Malteser Falke (Diogenes, 8 CDs)
Am Nebentisch belauscht (Kunstmann, 1 CD)

Übersetzung
Tommi Tatze (Tabby McTat), von Julia Donaldson/Axel Scheffler (Beltz & Gelberg)

„Wiglaf Droste in Bestform: als grandioser Rezitator, als meisterhafter Stilistiker und als Philosoph des Wortes.“
Bayerischer Rundfunk zu „Am Nebentisch belauscht“

„Droste fühlt das Einzelne heraus, in dem sich bündig unser Ganzes ausspricht. Er hat Nase und Temperament des echten Satirikers."
Süddeutsche Zeitung, Juni 2006

„Der Tom Waits der satirischen Schnappschüsse.“ Galore, Mai 2006

„Wiglaf Droste ist ein genauer Beobachter; er redet nicht drumrum, seine Texte sind scharf, boshaft, polemisch, so grenzwertig wie kompromisslos, bestechend wahrhaftig, in ihrer brillanten Diktion einfach unvergleichlich komisch und höchst kurzweilig.“
Donaukurier, Ingolstadt, Mai 2009

Bibliografie

• Kommunikaze (a-verbal 1989, Neuauflagen bei Weißer Stein und Edition Nautilus)
• Mein Kampf, dein Kampf (Edition Nautilus 1992)
• In 80 Phrasen um die Welt, mit Rattelschneck (Edition Nautilus 1992, erweiterte Neuauflage 2004)
• Am Arsch die Räuber (Edition Nautilus 1993)
• Sieger sehen anders aus (Edition Nautilus 1994)
• Brot und Gürtelrosen (Edition Tiamat 1995, TB Reclam Leipzig 2002)
• Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses (Edition Nautilus 1997)
• In welchem Pott schläft Gott?, mit Rattelschneck (Edition Nautilus 1998)
• Zen-Buddhismus und Zellulitis (Kunstmann 1999, TB Rowohlt 2005)
• Bombardiert Belgien! (Edition Tiamat 1999, TB Reclam Leipzig 2002)
• Die Rolle der Frau (Edition Tiamat 2001, TB Reclam Leipzig 2003)
• Der Infrarote Korsar (Edition Tiamat 2003, TB Reclam Leipzig 2004)
• Wir sägen uns die Beine ab und sehen aus wie Gregor Gysi (Edition Tiamat 2004, TB Reclam Leipzig 2005)
• Nutzt gar nichts, es ist Liebe, Gedichte (Reclam Leipzig 2005)
• Kafkas Affe stampft den Blues (Edition Tiamat 2006, TB Reclam 2007)
• Wurst, gemeinsam mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach (DuMont 2006)
• Will denn in China gar kein Sack Reis mehr umfallen? (Edition Tiamat, 2007)
• Weihnachten, gemeinsam mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach (DuMont 2007)
• Wein, gemeinsam mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach (DuMont 2008)
• Wir schnallen den Gürtel weiter, mit Vincent Klink (Reclam 2008)
• Lieber Gott, ich mach’ dich fromm, wenn ich in den Himmel komm’, Das Leben des Joseph Benedikt Ratzinger [in Vorbereitung]
• Im Sparadies der Friseure (Edition Tiamat März 2009)

Schundromantrilogie mit Gerhard Henschel
• Der Barbier von Bebra (Edition Nautilus 1996, TB Fischer 1998)
• Der Mullah von Bullerbü (Edition Nautilus 2000, TB Goldmann 2001)
• Die Wüstensöhne von Wipperfürth [in Vorbereitung]

Übersetzung
• Axel Scheffler/Julia Donaldson, Stockmann (zusammen mit Stefan Maelck)

Diskografie

CDs mit eigenen Texten und Liedern
• Grönemeyer kann nicht tanzen, mit Bela B. (WeserLabel 1989)
• Genschman, mit Bela B. / Titanic u.a. (Fünfundvierzig 1989)
• Supi! Supi! Supi! (Frühstyxradio 1993)
• Die schweren Jahre ab 33, mit Funny van Dannen (Frühstyxradio 1995)
• Wieso heißen plötzlich alle Oliver?, mit Danny Dziuk u.a. (Motor Music 1996)
• Mariscos y Maricones, mit Boni Koller (Frühstyxradio 1999)
• Das Paradies ist keine evangelische Autobahnkirche (2 CDs, Mundraub 2001)
• Ich schulde einem Lokführer eine Geburt (Mundraub 2003)
• Das Große IchundDu, Gedichte und Lieder, mit Danny Dziuk (Kunstmann 2003)
• Westfalian Alien (Mundraub 2005)
• Häuptling Eigener Herd, mit Vincent Klink (Der Hörverlag 2008)
• Am Nebentisch belauscht (Kunstmann Verlag 01.09.09)

Musik-CDs mit dem Spardosen-Terzett
• Für immer (Kunstmann 2000)
• Wolken ziehn (Roof Music 2002)
• Das Konzert (Kunstmann 2004)
• Seit du dabist auf der Welt - Lieder nach Gedichten von Peter Hacks (Kein & Aber 2008)
• Voilà, ein Tusch! Für Wilhelm Busch (Kulturgut Nottbeck 2008)

CDs als Sprecher nichteigener Texte
• Voltaire: Candide (3 CDs, Kunstmann 2002)
• Dashiell Hammett: Das Große Umlegen, mit Katharina Thalbach (2 CDs, Edition Tiamat 2002)
• Ralf Sotscheck: Gebrauchsanweisung für Irland, mit Harry Rowohlt und Ralf Sotscheck (Roofmusic / Tacheles 2004)
• Volker Kriegel: Erwin mit der Tröte (Kein & Aber 2004)
• Peter Hacks: Der Bär auf dem Försterball, mit F.W. Bernstein und Rayk Wieland, Musik von Ernst-Ludwig Petrowsky (OhrEule 2004)
• Jimmie Rodgers: Güterzüge und Gitarren, 2 CDs (Bear Family Records 2005)
• Kinky Friedman: Greenwich Killing Time, 5 CDs (Bear Family Records 2005)
• Kinky Friedman: Lone Star, 4 CDs (Bear Family Records 2005)
• James Krüss: Mein Urgroßvater, die Helden und ich, 2 CDs (Kein & Aber 2006)
• Christian Dietrich Grabbe: Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung, gemeinsam mit Harry Rowohlt, 2 CDs (Random House 2006)
• Bill Buford, Hitze (der Hörverlag 2008)
• Dashiell Hammet, Der Malteser Falke, 8 CDs (Diogenes 2009)

Texte und Lieder in zahllosen Buch- und CD-Anthologien

Pressestimmen

“Wiglaf Droste vereint in diesem Buch zwei Rollen, die entgegen einem verwaschenen Sprachgebrauch nicht unbedingt zusammengehören: Der Satiriker höhnt und äfft nach aus Verachtung; der Humorist, menschlicher Gebrechlichkeit selbst nicht völlig fern, verwandelt sich diese an, schwingt sogar mit und umspinnt den Irrsinn mit einem Hauch von Wärme, mit Melancholie. Beides kann Droste.”   Süddeutsche Zeitung 04.04.09

"Besonders Droste und Sotscheck zeigten, welch satirisches Potential in genauer Beobachtung liegt. Den Wahnwitz der alltäglichen und banalen Dinge aufzudecken gelingt nur durch gründliches Hinschauen. Das Beobachtete mit sanfter Ironie zu verfremden und die Absurdität zu steigern ist feinste Loriot-Schule, und das beherrschen Droste wie Sotscheck meisterhaft. Wer sonst als Droste weiß so akkurat zu beschreiben, wie es aussieht, wenn Kollege Sotscheck am Bahnhof eine Currywurst mit Schaschlik verspeist. Der scherzhaft in Aussicht gestellte Bildband über den Vorgang ist überflüssig, so genau stand dem Publikum die Szene vor Augen. Wenn Sotscheck lakonisch davon berichtet, welches Unheil aus dem Wunsch erwachsen kann, spätabends im Hotelzimmer eine Flasche Rotwein zu öffnen, dann erinnert das unweigerlich an Loriots berühmten Sketch, der mit dem harmlosen Versuch beginnt, ein Bild geradzurücken."
Rhein-Main-Zeitung 12.01.09 über das "Tom Produkt Literaturfest" im Mousonturm Frankfurt

"'Wein' ist hochprozentig, abgründig, sehr böse und sehr lustig."
Die Welt 01.11.08

„Droste ist nicht nur ein genialer Satiriker und Kolumnist, er ist auch ein grandioser Rezitator. Obgleich immer butterweich, erreicht seine Stimme verschiedene Register: tief und rauh, hauchend, polternd.“
Hannoversche Allgemeine Zeitung 31.10.08

 

Die volle Dosis Elend nehmen

Wiglaf Drostes Aufprallprosa im Freiburger Jazzhaus

Muss jemand, der ein mitreisendes älteres Ehepaar beschreibt als "von der Mütze bis zum Schuhwerk geriatriefarben angezogen, in dieser spezifischen Mischung aus beige, grau und grün, die vom Herannahen des Todes kündet", nicht ein garstiger Misanthrop sein? Mag sein. Auf der Bühne des Freiburger Jazzhauses ist der Autor, Polemiker und Sänger Wiglaf Droste höflich und charmant, macht dem Publikum Komplimente für den freundlichen Begrüßungsapplaus und wird sich am Ende sogar mit einem kindlich-übermütigen Radschlag verabschieden. Vielleicht ist er aber auch nur ein kurzzeitig besänftigter Grummler, der gute Laune hat, weil er so viele hundert Kilometer zwischen sich und den "in seinem Herzen Hass und Jauche schöpfenden Brandenburger" gebracht hat, von dem er in seiner Wahlheimat Berlin tagein tagaus belagert wird.

Vielleicht sind es aber auch die Jazzhausbesucher, die den Gast gnädig stimmen. Ein aufgewecktes Publikum von so ausgefuchster Humorsensibilität, dass es Pointen schon im Ansatz glaubwürdig weglachen kann. Oder es liegt an der auffälligen Häufung von Vollbärten, die ausnahmsweise von sympathischem Witzverständnis gedüngt scheinen und nicht wie sonst von weltanschaulichem Fanatismus oder oberlehrerhafter Zauseligkeit. Vielleicht ist die Höflichkeit von Wiglaf Droste aber auch der Ausdruck einer tiefen, existentiellen, ja existentialistischen Liebe zu den Menschen, die sich aus dem Credo speist, das er an diesem Abend in der Kolumne "Existentialismus heute" so erklärt: "Nicht ausweichen, die volle Dosis Elend nehmen, die ganze Portion, bis zur Neige, und dann sagen: Ja, ich will - das ist Leben."

Wer nicht ausweicht, prallt zusammen. Wenige beherrschen die Aufprallprosa so gut wie Droste. Kollisionspartner können schon mal einen olfaktorischen Schweif aus Nivea, Schweiß und Franzbranntwein hinter sich her ziehende Nordic Walker sein oder einfach Kevins, die anders heißen würden, wenn ihre Eltern sie wirklich geliebt hätten. Bei dieser anstrengenden Art von Menschenbegegnungsbewältigung wundert man sich nicht, dass Wiglaf Droste Glück in einem Wald voller Steinpilze und bar jeder Menschen findet. Trotzdem zeigt er sich bei seiner Lesung im menschenvollen Jazzhaus als warmherziger, mitfühlender Mann und spendet seinem von Spottlachen gebeutelten Publikum Trost mit einer a cappella vorgetragenen, pidgindeutschen Version von "Blowin' In The Wind". Als er sich später mit besagtem übermütigen Radschlag von der Bühne verabschiedet, tut es ihm sein Publikum im Herzen nach.

Jürgen Reuß
Badische Zeitung, 15.11.2006

 

Foto: Ingo Pertramer
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