Tom Produkt
Kohlhöfen 17
20355 Hamburg
Tel: +49 40 433152


Thomas Gsella

Nennt mich Gott - Beste Texte aus 50 Jahren

Ein halbes Jahrhundert satirische Prosa und komisches Gedicht: Seit 50 Jahren steht Thomas Gsella, geb. 1958, für völlige Qualität und höchsten Quatsch. Das Best of-Programm des Titanic“-Chefredakteurs versammelt die schönsten Texte und besten Gedichte: seinen ersten Reim aus dem elften Monat, lebenskluge Fabeln, väterliche Bekenntnisse, bizarre Völkerverständigungsgedichte, zwiespältige Berufs- und Kinderhymnen, Fußballsonette dieses „Gottes der Fußballyrik“ (taz) sowie die lustigsten Bildgedichte aus der TITANIC und unveröffentlichte neue Werke dieses „jüngsten Nachwuchsklassikers“ (Eckhard Henscheid).

„Ein Meister“ (Spiegel)
„Ein Hauch von Wehmut liegt über dem Gsellaschen, aber auch süße Bitterkeit“ (Die Zeit)
„Thomas Gsella beherrscht die Freibeuterkunst der literarischen Parodie“ (FAZ)
„Charme, Witz und sprachliche Brillanz.“ (Werner Schneyder)
„Herrlich!“ (Bild)


Fabel
An Altersschwäche litt sehr stark
ein einstmals junger Kakerlak.
Und später lag er, vormals jung,
gestorben in der Umgebung.
Moral: Ach, welch ein hartes Brot –
erst ist man jung, dann alt, dann tot!

Der Pilot
 
Er fliegt im Immerblau umher,
Wo Sonnen ihn erwarten.
Erst steigt er hoch, dann landet er,
Um bald darauf zu starten.
 
Und wieder fliegt er hoch und weit
Und sinkt bewundert nieder.
Dann fliegt er in der gleichen Zeit
Zurück und landet wieder.
 
Dann startet er und fliegt und sinkt,
Um schleunigst abzuheben,
Worauf erneut die Landung winkt.
Ein Traum von einem Leben.
 

Bibliografie

• Materialien zur Kritik Leonardi DiCaprios und andere Gedichte, Eichborn 1999
• So werde ich Heribert Faßbender. Grund- und Aufbauwortschatz Fußballreportage (mit
Heribert Lenz und Jürgen Roth), Klartext 1995, Neuausgabe 2002
• Kille kuckuck dideldei. Gedichte mit Säugling, Kunstmann-Verlag 2001, Heyne-Taschenbuch
2003
• Generation Reim. Gedichte und Moritat, Edition Haffmans bei Zweitausendeins 2004
• Ins Alphorn gehustet. Neue Gedichte, 2005 Reclam Leipzig
• Kinder, so was tut man nicht. Ein pechschwarzes Brevier für die Familie, Rowohlt 2007
• Der kleine Berufsberater. Gedichte, Eichborn 2007
• Papa-? Ja, mein Kind? Die letzten Fragen der Menschheit, Fischer 2008
• Nennt mich Gott. Fischer 2008
• Die Leiden des jungen Schiller. Sanssouci bei Hanser Juli 2009
• Offenbacher Anthologie. Ullstein Winter 2009/10
 

Pressestimmen

Niemand wird verschont
Ausverkaufte Lesung im Lÿz mit Thomas Gsella, dem ehemaligen „Titanic“-Chefredakteur

Das war abzusehen: Wer den ehemaligen Chefredakteur Deutschlands einzig wahrer Satirezeitschrift „Titanic“ zu einer Lesung einlädt, kann mit vollem Haus und rasendem Applaus rechnen. Thomas Gsella streute gewohnt flapsig seine erschütternd treffsicheren Pointen ins Publikum, das laut und anhaltend, manchmal gar schenkelklopfend lachen konnte – Reaktionen, die bei anspruchsvoller Komik sonst eher selten sind, doch konnte das vorwiegend studentische Publikum es bei den frechen Texten und skurrilen Gedichten nicht bei wissendem Lächeln und Nicken oder einer schnell weggewischten Lachträne belassen.
Gsella conferencierte so schön sarkastisch aus seiner Befindlichkeit als deutscher Satire-Autor, „Titanic“-Redakteur oder als Lese-Reisender, dass keine Minute langweilig war, die Zeit der Abendveranstaltung wie im Fluge verging. „Ich lese dann erstmal meine rund 800 Gedichte, und dann noch ein paar kürzere Texte“, versprach der 1958 in Essen geborene Joachim-Ringelnatz-Förderpreisträger zu Beginn.
Dass es dann doch schon nach gut zwei Stunden zu Ende war, bedauerten alle, die gerne noch viel mehr der bissigen Glossen aus „Titanic“-Tagen oder absurde Verse über deutsche Städte oder Berufe gehört hätten – und zu zwei Zugaben ließ sich der gefeierte Spaßpoet denn auch beklatschen.
„Nennt mich Gott“ lautet der Titel seiner neuesten Gedichtsammlung, aus der er reichlich vorlas, ebenso wie aus der vorletzten Buchveröffentlichung, auch aus diesem Jahr, in der freche Gedichte versammelt sind, die das Väter-Töchter-Verhältnis ironisch untersuchen. Stets erweist sich Gsella dabei als Könner klassischer Metrik und Rhetorik, wenn er den überforderten und augenscheinlich unterbelichteten Vater sich in den eloquent formulierten, metrisch hübsch alternierend rhythmisierten Fangfragen des neunmalklugen Töchterleins verlieren lässt. Oder Gsella kolportiert mit derben Pointen in vollendet gereimten Drei-Strophern peinliche Klischees über Polen, Italiener oder andere europäische Landsleute – und legt durch diesen Kunstgriff den Finger in die Wunde deutscher Befindlichkeiten und Vorurteile gegenüber Fremden. So taugt der Finne laut Gsella wenig, denn: „Der Finne ist für nichts gemacht als fürs In-Finnland-Wohnen“.
Niemand wird von Gsella verschont, nicht die Piloten, nicht die Bauern und nicht einmal die Lehrer, obwohl der an Robert Gernhardt und der Neuen Frankfurter Schule gewachsene Reimer fast selber einer geworden wäre, hat er doch sein Erstes Staatsexamen erfolgreich mit einer Arbeit zu Rainer Maria Rilke abgeschlossen. Zahnärzte, die ihm sein galliges Gedicht über deren sadistische Berufsgenossen übel nahmen, wünschten sich Gsella auf den eigenen Behandlungsstuhl, damit er erfahre, was richtige Schmerzen seien.
Doch der erfolgreiche Autor lässt sich nicht drohen oder einschüchtern, schon für den Winter ist die übernächste Veröffentlichung geplant, aus der er Auszüge im Lÿz vorab verlas. Im Stil von Reich-Ranickis „Frankfurter Anthologie“ stellt Gsella parodierend unter dem Titel „Offenbacher Anthologie“ typische Lyrikinterpretationen und Interpretatoren vor, wenn etwa ein Günter Grass das vor Schreibfehlern wimmelnde, unsäglich dumme Geschreibsel eines Models über den grünen Klee lobt und scheinbar genauso ernst nimmt wie er von der Schönheit der jungen „Lyrikerin“ begeistert ist. Das Publikum war begeistert von Gsella – und das zu Recht.

Siegener Zeitung 24.06.09

 

 

Foto: Tom Hintner
BUCHUNGSANFRAGE
LIVE TERMINE
AKTUELLES BUCH
"Warte nur, balde dichtest du auch"
Foto: Tom Hintner