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Thomas Gsella

Auch Ihre Stadt ist schön

Die deutschen Städte gelten, zumal seit jener schlimmen Hitlerzeit, als leblos und geschichtlos, als unwirtlich und schrecklich. In Wahrheit aber sind sie alle (fast) traumhaft. Jahrelang kreiste Thomas Gsella durchs Land, vom rauhen Westen in den selbstgewissen Norden, in den abenteuerlichen Osten und schließlich in den zarten Süden, und notierte, was er sah und dachte, fühlte, roch und schmeckte. Herauskam eine rührende Liebeserklärung an den Zauber der Städte und ihrer Bewohner. – Dazu gibt es die Perlen aus Gsellas neuer und erster Kurzgeschichtensammlung „Blau unter Schwarzen“. In der Zugabe: seine gleichfalls neue „Offenbacher Anthologie“ mit den besten oder jedenfalls bizarrsten Welt-Lyrikhämmern (nicht herausgegeben von Marcel-Reich-Ranicki).

„Längst ist er kein Gsella mehr, schon seit langem darf er sich Meista nennen“ (Robert Gernhardt)

„Ein Meister“ (Spiegel)

„Der große deutsche Dichter Thomas Gsella“ (stern.de)

„Ich bin ein Gsellianer“ (Roger Willemsen)

„Gsellas Spottverse über Orte sind so gallig wie witzig“ (Wolfsburger Zeitung)

„Seine Stadtgedichte sind sensationell.“ (Kultur-in-bonn.de)


Offenbach
Arschgesichter ziehn per pedes
Durch die Arschgesichterstadt.
Arschgesichter im Mercedes
Fahren Arschgesichter platt.

Arschgesichter tragen Tüten
In ihr Arschgesichterhaus.
Alte Arschgesichter brüten
Neue Arschgesichter aus.

Ach, es bündelt Arschgesichter
Prismagleich dies Arscheloch.
Leider reimt, so klagt der Dichter,
Es sich nicht auf Offenboch.

„Viele komische und saftige, schrundige und schlabberige, dann wieder erstaunlich zarte und liebevolle Prosastücke des als Dichter bekannten Autors, der seine prosaische Knarre sympathischerweise stets auf seine Spiegelbilder richtet. Das ist herrlich anzusehen.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung über „Blau unter Schwarzen“)

»Eine köstliche Parodie auf die Frankfurter Anthologie von Marcel Reich-Ranicki. Die Gedichte schimmern murmelgleich zwischen poetischer Entfesselung und strengem Haiku, die Kommentare beglücken durch offensives Delirium, herzhaftes Pathos und akademische Bewirtschaftung.« (Der Spiegel über die „Offenbacher Anthologie“)

Vita
Thomas Gsella studierte von 1977 bis 1985 Germanistik und Geschichte an der Uni Essen. Zwischen 1992 und 2005 war er Redakteur und bis 2008 Chefredakteur der Frankfurter Satirezeitschrift „Titanic“. Er schrieb und schreibt Lyrik und Prosa für die F.A.Z., taz, Titanic, FR, WOZ, den SWR und WDR und RBB und was nicht alles und lebt mit seiner Familie in Aschaffenburg.

Preise
2004 Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Nachwuchspreis für Lyrik
2011 Robert-Gernhardt-Preis

Aktuelle Veröffentlichungen
* Reiner Schönheit Glanz und Licht – Ihre Stadt im Schmähgedicht (Eichborn, Februar 2011)
* Blau unter Schwarzen. Ausgewählte Humoresken (DuMont 2010)
* Warte nur, balde dichtest du auch. Die Offenbacher Anthologie (Ullstein 2009)

Bibliografie

* Materialien zur Kritik Leonardi DiCaprios und andere Gedichte, Eichborn 1999
* So werde ich Heribert Faßbender. Grund- und Aufbauwortschatz Fußballreportage (mit Heribert Lenz und Jürgen Roth), Klartext 1995, Neuausgabe 2002
* Kille kuckuck dideldei. Gedichte mit Säugling, Kunstmann-Verlag 2001, Heyne-Taschenbuch 2003
* Generation Reim. Gedichte und Moritat, Ed. Haffmans bei Zweitausendeins 2004 (vergriffen)
* Ins Alphorn gehustet. Neue Gedichte, 2005 Reclam Leipzig (vergriffen)
* Kinder, so was tut man nicht. Ein pechschwarzes Brevier für die Familie, Rowohlt 2007
* Der kleine Berufsberater. Gedichte, Eichborn 2007
* Papa-? Ja, mein Kind? Die letzten Fragen der Menschheit, Fischer 2008
* Nennt mich Gott. Fischer 2008
* Die Leiden des jungen Schiller. Sanssouci bei Hanser 2009
* Warte nur, balde dichtest du auch! Offenbacher Anthologie. Ullstein 2009
* Blau unter Schwarzen. Gsellammelte Prosa I: Ausgewählte Humoresken. Dumont 2010
* Reiner Schönheit Glanz und Licht – Ihre Stadt im Schmähgedicht Eichborn, Februar 2011
 

Diskografie

Best Gsella - Ihre Stadt, Der kleine Berufsberater & mehr (Eichborn 2011)

Pressestimmen

Niemand wird verschont
Ausverkaufte Lesung im Lÿz mit Thomas Gsella, dem ehemaligen „Titanic“-Chefredakteur

Das war abzusehen: Wer den ehemaligen Chefredakteur Deutschlands einzig wahrer Satirezeitschrift „Titanic“ zu einer Lesung einlädt, kann mit vollem Haus und rasendem Applaus rechnen. Thomas Gsella streute gewohnt flapsig seine erschütternd treffsicheren Pointen ins Publikum, das laut und anhaltend, manchmal gar schenkelklopfend lachen konnte – Reaktionen, die bei anspruchsvoller Komik sonst eher selten sind, doch konnte das vorwiegend studentische Publikum es bei den frechen Texten und skurrilen Gedichten nicht bei wissendem Lächeln und Nicken oder einer schnell weggewischten Lachträne belassen.
Gsella conferencierte so schön sarkastisch aus seiner Befindlichkeit als deutscher Satire-Autor, „Titanic“-Redakteur oder als Lese-Reisender, dass keine Minute langweilig war, die Zeit der Abendveranstaltung wie im Fluge verging. „Ich lese dann erstmal meine rund 800 Gedichte, und dann noch ein paar kürzere Texte“, versprach der 1958 in Essen geborene Joachim-Ringelnatz-Förderpreisträger zu Beginn.
Dass es dann doch schon nach gut zwei Stunden zu Ende war, bedauerten alle, die gerne noch viel mehr der bissigen Glossen aus „Titanic“-Tagen oder absurde Verse über deutsche Städte oder Berufe gehört hätten – und zu zwei Zugaben ließ sich der gefeierte Spaßpoet denn auch beklatschen.
„Nennt mich Gott“ lautet der Titel seiner neuesten Gedichtsammlung, aus der er reichlich vorlas, ebenso wie aus der vorletzten Buchveröffentlichung, auch aus diesem Jahr, in der freche Gedichte versammelt sind, die das Väter-Töchter-Verhältnis ironisch untersuchen. Stets erweist sich Gsella dabei als Könner klassischer Metrik und Rhetorik, wenn er den überforderten und augenscheinlich unterbelichteten Vater sich in den eloquent formulierten, metrisch hübsch alternierend rhythmisierten Fangfragen des neunmalklugen Töchterleins verlieren lässt. Oder Gsella kolportiert mit derben Pointen in vollendet gereimten Drei-Strophern peinliche Klischees über Polen, Italiener oder andere europäische Landsleute – und legt durch diesen Kunstgriff den Finger in die Wunde deutscher Befindlichkeiten und Vorurteile gegenüber Fremden. So taugt der Finne laut Gsella wenig, denn: „Der Finne ist für nichts gemacht als fürs In-Finnland-Wohnen“.
Niemand wird von Gsella verschont, nicht die Piloten, nicht die Bauern und nicht einmal die Lehrer, obwohl der an Robert Gernhardt und der Neuen Frankfurter Schule gewachsene Reimer fast selber einer geworden wäre, hat er doch sein Erstes Staatsexamen erfolgreich mit einer Arbeit zu Rainer Maria Rilke abgeschlossen. Zahnärzte, die ihm sein galliges Gedicht über deren sadistische Berufsgenossen übel nahmen, wünschten sich Gsella auf den eigenen Behandlungsstuhl, damit er erfahre, was richtige Schmerzen seien.
Doch der erfolgreiche Autor lässt sich nicht drohen oder einschüchtern, schon für den Winter ist die übernächste Veröffentlichung geplant, aus der er Auszüge im Lÿz vorab verlas. Im Stil von Reich-Ranickis „Frankfurter Anthologie“ stellt Gsella parodierend unter dem Titel „Offenbacher Anthologie“ typische Lyrikinterpretationen und Interpretatoren vor, wenn etwa ein Günter Grass das vor Schreibfehlern wimmelnde, unsäglich dumme Geschreibsel eines Models über den grünen Klee lobt und scheinbar genauso ernst nimmt wie er von der Schönheit der jungen „Lyrikerin“ begeistert ist. Das Publikum war begeistert von Gsella – und das zu Recht.
(Siegener Zeitung)
 


 

 

Foto: Tom Hintner
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Reiner Schönheit Glanz und Licht – Ihre Stadt im Schmähgedicht (Eichborn, Februar 2011)
Foto: Tom Hintner