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Rocko Schamoni

Antinichtraucherlesung

In seinem heldenhaften Kampf für die Kultur des heiligen Schmutzes und der schmutzigen Heiligen wird sich Rocko Schamoni professionell sozial derangieren und dabei gleichzeitig aus allem was er je geschrieben hat spontan Gewähltes lesen. Selbst aus dem, was noch nicht erschienen ist. Buchstaben fliegen wie Geschosse durch den Raum, Worte verflechten sich zu großen, blechernen Melodien die aus einem kaputten Lautsprecher zu kommen scheinen, Tränen aus Cognac bilden einen Bach und tragen Euch fort, weit fort in ein Land jenseits von Peter Hahne...

Rocko Schamoni, 1966 in Deutschland geboren, veröffentlichte zahlreiche CDs, arbeitet für Theater, Film und Fernsehen, tourt regelmäßig durch die Republik und hat inzwischen eine eingeschworene Fangemeinde. Bisher erschienen die Romane „Risiko des Ruhms“ (2000), „Dorfpunks“ (2004) und "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" (2007).


 

Bibliografie

• Risiko des Ruhms (2000)
• Dorfpunks (2004)
• Risiko des Ruhms: Director's Cut (2007)
• Sternstunden der Bedeutungslosigkeit (2007)

Diskografie

Hörbücher
• Risiko des Ruhms (2003)
• Dorfpunks (2005)
• Sternstunden der Bedeutungslosigkeit (2008)

Alben
• Vision (1988)
• Jeans und Elektronik (1990)
• Disco (1991)
• Ex-Leben (mit Motion, 1993))
• Galerie Tolerance (1995)
• Die frühen Werke des Monsieur 70 Volt (1996)
• Showtime (1999)
• Der Schwere Duft von Anarchie (2002)
• The Best of Rocko Schamoni (2003)
• Rocko Schamoni & Little Machine (2007)

Singles
• Liebe kann man sich nicht kaufen (1987)
• Ich will Liebe (1990)
• Was kostet Liebe (1990)
• Mendocino (Duett mit Michael Holm, 1990)
• Nackt in Las Vegas (1991)
• Showtime Remixe (1999)
• Geld ist eine Droge (2002)
• Heart of Plastic (2002)
• Mauern (2005)
• Muster (2006)
• Rollo Aller 4 (mit Reverend Ch. Dabler, 2009)

Alben mit Studio Braun
• Gespräche (1998)
• Gespräche 2 (1999)
• Jeans Gags (2000)
• FC St. Pauli & TSC Studio Braun – 1:1:0 am Millerntor (2001)
• Fear of a Gag Planet (2002)
• Ein Kessel Braunes (2004)

Pressestimmen

Nur Rocko darf rauchen

Rocko Schamoni liest in der Kulturkirche aus seinem literarischen Werk. Dabei pendelt er perfekt zwischen der Rolle des postmodernen Bohemiens und der eines selbstironischen Humorarbeiters. Showtreppe inklusive.

KÖLN Selbstverständlich ist bei dieser Lesung einiges anders als bei anderen Lesungen. Inszenierte Andächtigkeit und würdevolle Stille sind hier garantiert nicht vorrätig, und Handyklingeln ist ausdrücklich erlaubt. Als wieder einmal eins bimmelt, ist die Ansage dazu so kurz wie präzise: „Natürlich kannst Du telefonieren. Aber nur, wenn Du zu mir auf die Bühne kommst.“ Auf der Bühne sitzt Rocko Schamoni, Mitglied des Humorarbeiter-Kombinats „Studio Braun“, singender Gelegenheits-Entertainer und mittlerweile drei Bücher lang auch Autor, und er macht in der ausverkauften Kulturkirche in Nippes das, was er am besten kann: Er klappt ein ums andere Mal die bei ihm serienmäßig eingebaute Showtreppe aus.
Rocko Schamoni grinst, grimassiert, feixt und posiert, sein diesbezügliches Repertoire ist so klischeehaft wie variabel, und so mancher viertklassige Privatfernsehen-Comedian könnte sich von diesem Gebaren mehrere Scheibchen abschneiden. Weil über dem kleinen Lesetisch und weit über dem Altar eine riesige Leinwand schwebt, die das Geschehen überträgt, sind auch die Zuschauer in der letzten Kirchenbank über jede Pore und Stirnfalte Schamonis bestens informiert, und hin und wieder blinkt sogar sein vergoldeter Schneidezahn.
Unter dem Slogan „Rocko Schamoni liest irgendwas“ ist der Hamburger an diesem Abend angetreten, und deshalb kommen seine drei Bücher und ein paar neue Texte dran. Schamoni rezitiert aus dem mit schönen Albernheiten randvollen „Risiko des Ruhms“, erzählt mit „Dorfpunks“ selbstironisch vom Wohl, Wehe und Werden seiner selbst, als er für die meisten noch Tobias Albrecht hieß und eine Landjugend mit Musik im Ostseekaff Lütjenburg erlebte und erlitt – und er liest auch aus „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“, jenem Buch, in dem sich der traurig-tragische Held Michael Sonntag ausgiebig im eigenen Leben verfranst und sich im Labyrinth des Alltags verläuft.
Zwischendurch trinkt Schamoni zügig diverse Biere, würdigt den Service des Veranstalters – „Süße Idee, mir hier Wasser hinzustellen“ – und zelebriert so ausführlich wie hingebungsvoll affektiertes Rauchen: „Ich bin der Einzige, der hier rauchen darf. Wenn ihr auch alle rauchen würdet, wäre das schlecht für meine Stimme.“ Was folgt, sind noch mehr gekonnte Posen, die tolle Analyse, warum Motorradfahrer-Gottesdienste echt fies sind und ein paar Thesen, warum in Arztpraxen viel zu oft Miró-Bilder an der Wand hängen. „Sixpack, Durst, Elektra?“, lautet die Frage, die Schamoni zum guten Schluss zwecks Gestaltung des weiteren Abends an das begeisterte Auditorium richtet, und spätestens da ist klar: Der Mann ist nicht nur ein Mobile der Sinnlichkeit, sondern strukturell auch immer noch Wirkungstrinker. Gut so.

Kölner Stadtanzeiger 10.09.09

 

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Sternstunden der Bedeutungslosigkeit
Foto: Dorle Bahlburg