1. Das Allerbeste aus 50 JahrenIn seinem stündlich aktualisierten Best-of-Programm präsentiert der ehemalige „Titanic“-Chefredakteur, Robert-Gernhardt-Preisträger, „

Foto: Tom Hintner
Foto: Tom Hintner

Thomas Gsella lebt mit seiner Familie versehentlich in Aschaffenburg. Zwischen 1992 und 2005 war er Redakteur und bis 2008 Chefredakteur der Frankfurter Satirezeitschrift Titanic. Er schreibt komische und satirische Lyrik und Prosa für Bücher und Zeitungen wie Titanic, taz, konkret, FAZ, DIE ZEIT u.a. Wöchentliche Reimkolumnen erscheinen in der Illustrierten „Stern“, dem Schweizer „Magazin“ und auf Spiegel online. 
Über seine Gedichte schrieb Thomas Gsella: „Sie sind gut, aber leicht. Es ist keine komplizierte Angeberlyrik, Sie müssen nichts interpretieren, nur lesen oder zuhören, und wenn Sie nicht vollkommen blöd sind, verstehen Sie alles sofort und können befreit loslachen oder -weinen, je nach Intention des Autors.“

Für so was erhielt er 2004 den Joachim-Ringelnatz-Nachwuchspreis, 2011 den Robert-Gernhardt-Preis und 2014 ein Jahresstipenium des Deutschen Literaturfonds. Weitere Preise sind in Planung.  

„Ich bin ein Gsellianer“ (Roger Willemsen)
„Längst ist er kein Gsella mehr, schon seit langem darf er sich Meista nennen“ (Robert Gernhardt)
„Deutschlands komischer Lyriker Nr. 1“ (Westdeutscher Rundfunk) 

„Der deutsche Großmeister des komischen Gedichts“ (Tagesspiegel) 

Programme

* Saukopf Natur – Wehklagen und Tiraden. Kunstmann 2016

* Was macht das Blättertier denn hier – Komische Gedichte zu komischen Tieren. Mit Eva Häberle, Knesebeck 2016

* Titanic Boygroup Greatest Hits – 20 Jahre Krawall für Deutschland. Mit Martin Sonneborn und Oliver Maria Schmitt, Rowohlt 2015

* Achtung Achtung, hier spricht der Weihnachtsmann! Carl’s books 2014

* Viecher in Versen (mit Greser&Lenz). C. Bertelsmann 2012

* Komische Deutsche. Carl's books 2012

* BestGsella – Livelesung. Hörbuch, Eichborn 2011

* Reiner Schönheit Glanz und Licht – Ihre Stadt im Schmähgedicht. Eichborn 2011

* Blau unter Schwarzen. Ausgewählte Humoresken. Dumont 2010
* Warte nur, balde dichtest du auch! Offenbacher Anthologie. Ullstein 2009

* Die Leiden des jungen Schiller. Sanssouci bei Hanser 2009

* Nennt mich Gott. Schönste Gedichte aus 50 Jahren, Fischer 2008

* Papa-? Ja, mein Kind? Die letzten Fragen der Menschheit, Fischer 2008

* Der kleine Berufsberater. Gedichte, Eichborn 2007

* Kinder, so was tut man nicht. Ein pechschwarzes Brevier für die Familie, rororo 2007

* Ins Alphorn gehustet. Neue Gedichte, 2005 Reclam Leipzig
* Generation Reim. Gedichte und Moritat, Haffmans bei Zweitausendeins 2004

* Kille kuckuck dideldei. Gedichte mit Säugling, Kunstmann-Verlag 2001, Heyne-Taschenbuch 2003

* Materialien zur Kritik Leonardi DiCaprios und andere Gedichte, Eichborn 1999

* So werde ich Heribert Faßbender. Grund- und Aufbauwortschatz Fußballreportage (mit Heribert Lenz und Jürgen Roth), Klartext 1995, Neuausgabe 2002

Best Gsella - Ihre Stadt, Der kleine Berufsberater & mehr (Eichborn 2011)

Niemand wird verschont
Ausverkaufte Lesung im Lÿz mit Thomas Gsella, dem ehemaligen „Titanic“-Chefredakteur

Das war abzusehen: Wer den ehemaligen Chefredakteur Deutschlands einzig wahrer Satirezeitschrift „Titanic“ zu einer Lesung einlädt, kann mit vollem Haus und rasendem Applaus rechnen. Thomas Gsella streute gewohnt flapsig seine erschütternd treffsicheren Pointen ins Publikum, das laut und anhaltend, manchmal gar schenkelklopfend lachen konnte – Reaktionen, die bei anspruchsvoller Komik sonst eher selten sind, doch konnte das vorwiegend studentische Publikum es bei den frechen Texten und skurrilen Gedichten nicht bei wissendem Lächeln und Nicken oder einer schnell weggewischten Lachträne belassen.
Gsella conferencierte so schön sarkastisch aus seiner Befindlichkeit als deutscher Satire-Autor, „Titanic“-Redakteur oder als Lese-Reisender, dass keine Minute langweilig war, die Zeit der Abendveranstaltung wie im Fluge verging. „Ich lese dann erstmal meine rund 800 Gedichte, und dann noch ein paar kürzere Texte“, versprach der 1958 in Essen geborene Joachim-Ringelnatz-Förderpreisträger zu Beginn.
Dass es dann doch schon nach gut zwei Stunden zu Ende war, bedauerten alle, die gerne noch viel mehr der bissigen Glossen aus „Titanic“-Tagen oder absurde Verse über deutsche Städte oder Berufe gehört hätten – und zu zwei Zugaben ließ sich der gefeierte Spaßpoet denn auch beklatschen.
„Nennt mich Gott“ lautet der Titel seiner neuesten Gedichtsammlung, aus der er reichlich vorlas, ebenso wie aus der vorletzten Buchveröffentlichung, auch aus diesem Jahr, in der freche Gedichte versammelt sind, die das Väter-Töchter-Verhältnis ironisch untersuchen. Stets erweist sich Gsella dabei als Könner klassischer Metrik und Rhetorik, wenn er den überforderten und augenscheinlich unterbelichteten Vater sich in den eloquent formulierten, metrisch hübsch alternierend rhythmisierten Fangfragen des neunmalklugen Töchterleins verlieren lässt. Oder Gsella kolportiert mit derben Pointen in vollendet gereimten Drei-Strophern peinliche Klischees über Polen, Italiener oder andere europäische Landsleute – und legt durch diesen Kunstgriff den Finger in die Wunde deutscher Befindlichkeiten und Vorurteile gegenüber Fremden. So taugt der Finne laut Gsella wenig, denn: „Der Finne ist für nichts gemacht als fürs In-Finnland-Wohnen“.
Niemand wird von Gsella verschont, nicht die Piloten, nicht die Bauern und nicht einmal die Lehrer, obwohl der an Robert Gernhardt und der Neuen Frankfurter Schule gewachsene Reimer fast selber einer geworden wäre, hat er doch sein Erstes Staatsexamen erfolgreich mit einer Arbeit zu Rainer Maria Rilke abgeschlossen. Zahnärzte, die ihm sein galliges Gedicht über deren sadistische Berufsgenossen übel nahmen, wünschten sich Gsella auf den eigenen Behandlungsstuhl, damit er erfahre, was richtige Schmerzen seien.
Doch der erfolgreiche Autor lässt sich nicht drohen oder einschüchtern, schon für den Winter ist die übernächste Veröffentlichung geplant, aus der er Auszüge im Lÿz vorab verlas. Im Stil von Reich-Ranickis „Frankfurter Anthologie“ stellt Gsella parodierend unter dem Titel „Offenbacher Anthologie“ typische Lyrikinterpretationen und Interpretatoren vor, wenn etwa ein Günter Grass das vor Schreibfehlern wimmelnde, unsäglich dumme Geschreibsel eines Models über den grünen Klee lobt und scheinbar genauso ernst nimmt wie er von der Schönheit der jungen „Lyrikerin“ begeistert ist. Das Publikum war begeistert von Gsella – und das zu Recht.
(Siegener Zeitung)