Ein junges Mädchen treibt sich mittellos und ohne Obdach in einer Großstadt herum, kommt bei Freundinnen und vielen Männern unter, die sie aushalten oder benutzen. Sie ist getrieb

Foto: Mathias Bothor

Fritzi Haberlandt, 1975 in Berlin geboren, ist „eine der wichtigsten Schauspielerinnen die wir in Deutschland haben“ (Max Moor). Von 2000 bis 2005 war sie festes Ensemblemitglied am Thalia Theater in Hamburg. Für ihre dortige Rolle der „Minna von Barnhelm“ zeichnete sie die Zeitschrift Theater heute als Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2000 aus. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt sie u.a. für ihre Hauptrolle in der Ingrid-Noll-Verfilmung „Kalt ist der Abendhauch“ von Rainer Kaufmann 2001 den Bayerischen Filmpreis als Beste Nachwuchsdarstellerin. Den Deutschen Filmpreis erhielt sie 2004 als Beste Nebendarstellerin für Hendrik Handloegtens „Liegen lernen“; 2012 wurde sie für ihre Nebenrolle in „Fenster zum Sommer“ für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Programm

  • Das kunstseidene Mädchen

    Ein junges Mädchen treibt sich mittellos und ohne Obdach in einer Großstadt herum, kommt bei Freundinnen und vielen Männern unter, die sie aushalten oder benutzen. Sie ist getrieben durch die Sehnsucht nach einem Leben das ihr mehr bietet als das was sie von zu Hause kennt. „Und alles ist erstklassig an mir“, drum will sie ein „Glanz“ werden, der in den lebendigen Nächten die Menschen anzieht und verzaubert, „wie Film, denn so ist mein Leben und wird noch mehr so sein.“ schreibt das kunstseidene Mädchen in ihr Tagebuch. Die Kraft und der Charme Irmgard Keuns Text liegen in seiner unmittelbaren Sprache. Doris ist flapsig, mutig, traurig, außer sich und Fritzi Haberlandt verleiht ihr eine glänzende Gestalt und Stimme. Zusammen mit dem Pianisten und Sänger Jens Thomas, von der Süddeutschen als „Jimi Hendrix des Flügels“ bezeichnet, wird der Text in seiner Naivität und Poesie entdeckt: es wird gelesen, gespielt, gesungen und getanzt. Hier kommen Theater, Lesung und Konzert zusammen und holen eine Zeit hervor, die von der unsrigen heute vielleicht nicht so weit entfernt liegt. Der Vorabend eines Zeitenumbruchs - wer weiß schon was morgen passiert. „Und habe mir ein schwarzes, dickes Heft gekauft und ausgeschnitten weiße Tauben draufgeklebt und möchte einen Anfang schreiben: ich heiße somit Doris und bin getauft und christlich und geboren. Wir leben im Jahr 1931. Morgen schreibe ich mehr.“