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Jacques Palminger & the Kings of Dub Rock

Lied für Alle

Es gibt Lieder für Kinder, für Verliebte und für magenkranke Fernfahrer. Es gibt viele Lieder für viele Menschen, aber es gibt nur ein LIED FÜR ALLE. Es ist aus sich selbst heraus tausendmal größer, als ich jemals werden könnte. Deshalb stelle ich mein Leben in den Dienst dieses einen Liedes. Eher würde ich meine eigene Zunge verschlucken, als das LIED FÜR ALLE für mich zu behalten. Dazu hätte ich auch gar kein Recht. Das Lied kommt zwar aus mir, aus meinen Tiefen, meinen Wünschen, meinen Träumen. Aber es überstrahlt meine Existenz bei weitem, es ist eine universelle Formel, ein kosmischer Faden. Ich stehe im Schatten meiner eigenen Idee, einer überlebensgroßen Botschaft, die ich nicht aufhalten kann und nicht aufhalten will. Das ist meine Bestimmung: Man lebt nur einmal. Das LIED FÜR ALLE aber lebt tausendmal am Tag. Mein Ziel ist das Innerste jedes einzelnen, nicht mehr und nicht weniger, denn ich weiß: Das Lied wird sich strahlenförmig in der ganzen Welt verbreiten. Wie dick müssten die Gitterstäbe sein, die das LIED FÜR ALLE aufhalten könnten?

Diese Schallplatte enthält die ersten Versionen dieser einzigartigen Weltmelodie, die ich mit Rica Blunck, Viktor Marek und Lieven Brunckhorst erarbeitet habe. Ich gebe zu, es ist ein sehr ambitioniertes Projekt. Aber wer glaubt, wir würden uns an diesem Projekt verheben, der hat sich geschnitten. Deshalb hier eine Warnung: Wer sich dem Lied für Alle in den Weg stellt, der wird daran kaputt gehen.

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen:

Stehen Sie sich selbst nicht im Wege. Öffnen Sie sich. Verlassen Sie Ihren bürgerlichen Korpus! Formen Sie Ihr fehlerhaftes Ich um zu einem positiven Treppenschritt für Alle! Singen Sie mit Allen das LIED FÜR ALLE!

Das LIED FÜR ALLE ist eine verbindliche Angelegenheit. Bitte tragen Sie das LIED FÜR ALLE innerhalb von 10 Tagen an 10 Personen weiter. Sollten Sie diese Aufforderung ignorieren, passiert Ihnen in Ihrem persönlichen Umfeld etwas sehr unangenehmes.

Das ist keine Warnung und kein Kettenbrief. Es ist die Wahrheit!

Jacques Palminger & the Kings of Dub Rock

 

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Jacques Palminger : Gründungsmitglied der Geheimloge Studio Braun, Theaterregisseur, -schauspieler und Hörspielautor, passionierter Bodypainter, eine Hälfte der Bronson-Bruderschaft mit Felix Kubin, Chansonschreiber für Universal González, war Dackelblut- und Waltons-Schlagzeuger.

Viktor Marek: Festes Mitglied von Knarf Rellöm Trinity und The Boy Group, früher auch 8doggymoto. Dazu dutzende Kollaborationen mit u.a. Felix Kubin, den Türen etc. Im Hauptberuf Geschäftsführer einer hündischen Hafenkaschemme.

Rica Blunck : Ehemalige holländische Nackttänzerin eines russischen Clubs an der französischen Grenze zu Luxembourg. Später Choreografin für Theater, Oper, Video-Clips und Film. Sängerin für u.a. Die Zimmermänner, Adolf Noise, International Pony, Studio Braun.

Diskografie

Jacques Palminger & the Kings of Dub Rock, "Lied für Alle" (2010)
Jacques Palminger & the Kings of Dub Rock, "Mondo Cherry" (2008)
Jaxques Palminger, Die "Henry" Maske (12" 2007)
Jacques Palminger, Deutsche Frau (7")
Jacques Palminger, Collection / Les Tools d'amour (DoLP)

Songs for Joy (mit Carsten "Erobique" Meyer)
Songs for Joy 2 (mit Carsten "Erobique" Meyer)

Universal González 12 (1999)
Universal González (2001)
Universal Gonzáelz Vol. 2 (2007)

Studio Braun, Gespräche 1 (1998)
Studio Braun, Gespräche 2 (2000)
Studio Braun, Jeans Gages (2000)
Studio Braun, 1:1:0 am Millerntor - FC St. Pauli -TSC Studio Braun (2001)
Studio Braun, Fear of Gag Planet (2002)
Studio Braun, Ein Kessel Braunes (2004)
Studio Braun, Die andere Realität (7" 2005)
Studio Braun, Bierchen (7" 2005)
Studio Braun, Ein Jubiläum feiert Geburtstag (DVD 2008)

und diverse Sampler Beiträge

Pressestimmen

„Lieber sinnfrei als sinnlos: Jacques Palminger & The Kings Of Dub Rock
gehen mit einer skurrilen Platte auf Deutschland-Tournee“  Die Zeit

„Auch wenn die Musik erstaunlich einfallsreich ist – die eigentliche Sensation freilich sind Palmingers Texte.“  Süddeutsche Zeitung

„Serge Gainsbourg trifft Trio trifft Steve Reich…hätte Adorno Humor gehabt, wer weiß ob er statt mit Begriffsfetischen zu exorzieren, nicht lieber so verscheißert hätte wie
Jacques Palminger and the Kings of Dub Rock“.  Frankfurter Neue Presse

„…von Dub über Hip Hop bis Chanson – Extrem Chanson quasi, der vor allem eins ist: lustig“ Die Welt

„Selten hört man so guten Reaggae aus Deutschland – deep und warm. Dazu deklamiert quatscht und sprechsingt Palminger mit brillantem Timing seine Texte, die wirklich zum Brüllen komisch sind“  Rolling Stone (4 Sterne)

„An manchen Stellen übt das Zusammenspiel der Elemente fast schon einen Pop-Appeal aus, so dass Melodien sich verselbständigen und als Ohrwurm kleben bleiben. Das ist nicht unbedingt zu erwarten, denn die Raffinesse und Klasse dieses Albums liegen in den Texten Palmingers begründet.“ Spex

„Stilistisch changieren die Dub-Stücke zwischen Chansons und hörspielartigen Subversiv-Comedy Einlagen“  Musikexpress (4-1/2 Sterne)

„Wer bei seinen potenziellen Welthits genau zuhört, findet den bisher besten Beleg für das einzigartige Wesen Palmingers. Oft bricht er mit einem einzigen Wort den Damm zum Lachen.“  Visions (9 Punkte)

„…das ist alles so gut, dass es separat als Instrumentalplatte oder Gedichtband funktionieren würde“  Wom Magazin

„…zwischen Sun Ra und Sandra mäandert der Irrsinn von `Mondo Cherry´ und ergießt sich als Zitteraalsuppe auf Lee Perrys müde Mühlen“ Style 100

„Was Palminger auf das Tableau zaubert ist genialer Irrwitz, Humor Stiel und Eleganz, es ist hintergründig, groß und macht enorm viel Spaß“  Dates

„Diese ´Mondo Cherry´ muss man besitzen“ mBeat

„ Noch nie hat jemand schöner mit Wut und Verzweiflung in unserem Herzen kommuniziert“  Hate Magazin

„Höherer `Blödsinn´ mit Sinn zu coolen Riddims“  Westzeit

„Songs, denen allerhöchstens Helge Schneider das Wasser reichen kann“ Loop
 

Jaques Palminger gastiert in Frankfurt
Es ist schön, wenn der Schmerz nicht nachlässt
Von Tobias Rüther

Ein Mann mit Nehmerqualitäten: Jacques Palminger
08. Februar 2008 Spaß beiseite. Denn zuerst muss über die Musik geredet werden. Sie ist aus bittersüßem Plastik. Sie ist elektronisch-dramatisch und verwegen. Sie macht, dass man sich Lino Ventura zum Freund wünscht, macht durstig auf klebrige Getränke, sie macht schwach. Und nachdem Jacques Palminger eine halbe Stunde auf der Bühne im Frankfurter Mousonturm gestanden hat, wird klar, dass nur der richtige Mann die falschen Lieder singen muss, damit sie richtig werden. Oder besser: Es muss nur der richtige Mann kommen, einem zu erklären, dass diese Lieder nie falsch waren.
Jacques Palminger kommt aus Hamburg, begleitet von der Sängerin Rica Blunck und dem Musiker Viktor Marek, und er singt „I like Chopin“. Auf Deutsch. Dazu legt Palminger, der sehr groß und schmal ist und einen Menjoubart trägt, sich quer über den Instrumententisch. Die Nadel springt, weil die Musik von der Platte kommt, doch dieser Fehler steigert nur den Eindruck, dass sich hier ein Sänger an einer fremden Melodie reibt, um sie sich einzuverleiben: „Ich habe immer gesagt / Ich mag Chopin.“

Von Karussellbremsern, Kleinkriminellen und Haltestellenkings
Das Publikum lacht. Das Publikum hat nämlich immer gesagt: Ich lache über Jacques Palminger. Denn wenn von Jacques Palminger die Rede ist, dann meistens vom Komödianten, vom Regisseur, Schauspieler und Lyriker. Von diesem lustigen Gesamtkunstwerkphänomen also, das sich zusammensetzt aus einem Teil Telefonscherz (bei „Studio Braun“ mit Heinz Strunk und Rocko Schamoni), einem Teil Theaterpunkrock (an der Berliner Volksbühne) und einem Teil Radikalpoesie (im Radio-Hörspiel „Mutter Tourette und ihre Kinder“). Aber jetzt ist Palminger zum ersten Mal allein und als der Musiker auf Tournee, der er seit seinen Anfängen bei den Punkrockbands Waltons und Dackelblut immer gewesen ist. Und schnell zeigt sich: Was er heute macht, vor immer größerem Publikum, auf der Bühne oder im Radio, das wäre undenkbar ohne Popmusik.
Sie ist der Rahmen seiner Referenzen, aus ihr speisen sich Palmingers Wortanfälle, aus ihr spazieren die Gestalten heraus, in deren Schuhen er dann auf der Bühne weitergeht - die Playboys und Karussellbremser und Kleinkriminellen, die Kings von der Bushaltestelle, die Erniedrigten, Beleidigten, Angerempelten, Genervten: Alle haben sie ihre eigene Schicksalsmelodie, Palminger singt und pfeift sie uns, er nimmt notorisch eine andere Gestalt an, und oft sind es auch gleich Coverversionen, die er dazu spielt. Wie „I Like Chopin“ des Italieners Gazebo, das 1983 ein Hit war. Oder „Sexual Healing“ von Marvin Gaye, das mit „Let's Get it On“ verschmilzt, im intimsten Augenblick des Konzerts.
Man sollte ja nicht auf die Idee kommen, er mache nur Spaß
Wie bei seinen zwei Gefährten Heinz Strunk und Rocko Schamoni, deren Erfolgsbücher „Fleisch ist mein Gemüse“ und „Dorfpunks“ gerade verfilmt wurden, ist auch die Bühnenfigur Jacques Palminger ein Schmerzensmann. Ein belästigter Mensch, der seine aggressiven Depressionen im Humor sublimiert. Über elegante Diskomusik - elektronische Beats, Streicherzitate und Klaviermelodien - lamentiert und schimpft und zetert er von Schlägereien und Welthässlichkeit. Gleich zwei Versionen seiner „Boxpolemik“ namens „Die ,Henri Maske'“ trägt Palminger vor: „Nimm dieselbe ab“, ruft er dem Champion zu, „und äußere dich zu den hier genannten Vorwürfen.“ Sie lauten zum Beispiel: Er riecht nach Joghurt, sein Carport hat ein Loch, und sein Lebensentwurf aus „Prügeln, Kochen und Onanieren“ greift nicht mehr.
„Das soll dir einer glauben, dass das nicht weh getan hat“, sagt Jacques Palminger später noch, dann fällt auch das Wort vom „Schmerzvertreib“, was wie die Losung dieser Mitleids- und Elendsrevue klingt. Wenn einer im Publikum falsch lacht, lacht er ihm nach, geht ein Zuschauer raus, schreit er ihm hinterher. Man sollte ja nicht auf die Idee kommen, dass Jacques Palminger nur Spaß macht. Dieser aufrechte Mann und seine Musik haben noch Großes vor sich: Ein Leid geht um die Welt.
F.A.Z., 08.02.2008, Nr. 33 / Seite 33

 

 

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AKTUELLE CD
Lied für Alle (Vinyl 19. März 2010)
Foto: Dorle Bahlburg