„O Gott, das müßte jetzt ewig so weitergehen“, seufzte der Literaturkritiker Dieter Hildebrandt am Ende seiner Rezension in der Zeit, nachdem er Gerhard Henschels „Kindheitsroman“ gelesen hatte. Dieser Roman erzeugte, wie auch die Neue Zürcher Zeitung feststellte, „eine eigenartige Sogwirkung“. Den Lesern, die sich eine Fortsetzung ersehnen, kann nun geholfen werden: Im September 2009 wird im Verlag Hoffmann und Campe die Fortsetzung des „Kindheitsromans“ erscheinen: Gerhard Henschels „Jugendroman“.
Martin Schlosser, der Held des Romans, bricht als Dreizehnjähriger in der emsländischen Kleinstadt Meppen zu neuen Abenteuern auf, im leuchtenden Sommer 1975, und sie führen ihn tief hinab in die Greuel der Pubertät und in den Kampf mit einer Welt, die ihm die Lebenslust mit Rosenkohlgestank und ungleichschenkeligen Dreiecken vergällt. Erschwerend kommt hinzu, daß Martin Schlosser sich unsterblich in eine unerreichbare Mitschülerin verliebt und daß er in der B-Jugend des SV Meppen den nur mäßig attraktiven Stammplatz eines linken Verteidigers einnehmen kann. Während der Wunschtraum von der Laufbahn eines zweiten Gerd Müller zerrinnt, gibt sich Martin Schlosser immer neuen Tagträumen hin und fällt dabei ein ums andere Mal auf die Nase – als Künstler, als verhinderter Liebhaber und auch als politisch ambitionierter Schülerzeitungsredakteur.
In der Medienindustrie sind die Seventies als Retro-Mode inzwischen schon längst von den Achtzigern und den Neunzigern abgelöst worden. In Gerhard Henschels „Jugendroman“ werden die Siebziger trotzdem noch einmal quicklebendig, denn in der Literatur gelten ältere Gesetze als in der Welt der Lifestyle-Heftchen.
Mit seinem „Jugendroman“ wird sich Gerhard Henschel auf eine Lesetour zu seinen Generationsgenossen begeben, die in der Ära Schmidt ihr Abitur bestanden haben (oder auch nicht).
Gerhard Henschel (Jahrgang 1962) lebt als freier Schriftsteller bei Hamburg. Zuletzt erschienen seine Bücher „Neidgeschrei. Antisemitismus und Sexualität“, „Die Springer-Bibel. Ein Panorama der Mediengeschichte“ und „Da mal nachhaken. Näheres über Walter Kempowski“. Vom Leben der Familie Schlosser hat er bereits in seinem Briefroman „Die Liebenden“ und im „Kindheitsroman“ erzählt. Beide Bücher wurden von der Kritik gefeiert.
• Menschlich viel Fieses (1992)
• Moselfahrten der Seele (1992)
• Das erwachende Selber (1993)
• Das Blöken der Lämmer. Die Linke und der Kitsch (1994)
• Die gnadenlose Jagd (1994)
• Supersache! (mit Günther Willen, 1994)
• Falsche Freunde fürs Leben (1995)
• Lesen ist Essen auf Rädern im Kopf (1995)
• FRAU IN ZINK, Berlin (1996, 12 Künstlerpostkarten)
• Der Barbier von Bebra (mit Wiglaf Droste, 1996)
• Drin oder Linie? (mit Günther Willen, 1996)
• Kulturgeschichte der Mißverständnisse. Studien zum Geistesleben (mit Eckhard Henscheid und Brigitte Kronauer)
• Der alte Friedensrichter und seine Urteile (1998)
• Bruno in tausend Nöten. Ed. Nautilus (1998)
• Erntedankfäscht (mit Max Goldt 1998)
• Jahrhundert der Obszönität (mit Eckhard Henscheid, 2000)
• Der Mullah von Bullerbü (mit Wiglaf Droste, 2000)
• Wo ist die Urne von Roy Black? (2000)
• Was wäre dir lieber? (mit Alexandra Engelberts, 2001)
• Die Liebenden (2002)
• Die wirrsten Grafiken der Welt (2003)
• Kindheitsroman (2004)
• Der dreizehnte Beatle (2005)
• Danksagung (mit Alexandra Engelberts, 2005)
• Gossenreport - Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung (2006)
• Die Springer-Bibel (2008)
• Neidgeschrei (2008)
• Da mal nachhaken, Näheres über Walter Kempowski (2009)
• Jugendroman (17.09.2009)
Übersetzungen
(zusammen mit Kathrin Passig)
• Jacob Weisberg: Voll daneben, Mr. President! Wahre Worte von George W. Bush (2003)
• Jacob Weisberg: Schon wieder voll daneben, Mr. President! Noch mehr wahre Worte von George W. Bush (2003)
• Bob Dylan: Chronicles (2004)
• Bob Dylan: The Bob Dylan Scrapbook. 1956–1966 (2005)
Stimmen zum „Jugendroman“
„Henschel schafft es durch seine Erzählweise, einen auf eine Reise in die Vergangenheit zu schicken, so dass sie auf einmal ganz plastisch wird.“
Nike Harrach, zdf.de
„Mehr als einmal schlägt man sich beim Lesen die Hände vors Gesicht und denkt sich: O Gott, genau so schrecklich war das ... ein detailgetreues Sittengemälde der 70er-Jahre der Bundesrepublik.“
Matthias Wulff, Welt am Sonntag
„Verblüffend, wie er es in seinem ‚Jugendroman’ hinkriegt, die Ödnis in Unterhaltsamkeit zu verwandeln ... Henschels Romane sind Schatzhäuser deutscher Redensarten, Phrasen und Werbesprüche ... Henschel hat einen überaus feinen Sinn für Tonlagen, Töne und Sprachklischees ... Dazwischen immer wieder die grandiosen Briefe von Martins Freund Michael ... Wie sich Michael in den Schilderungen der unfassbaren Trostlosigkeit des Lebens in Vallendar überschlägt, gehört zu den komischen Höhepunkten des ‚Jugendroman’. Und dass Henschel darauf beharrt, den Horizont seiner Helden nicht um einen Millimeter zu überschreiten, ist aller Bewunderung wert.“
Ekkehard Knörer, die tageszeitung
„Den Dreizehnjährigen kennt der Leser schon aus dem ‚Kindheitsroman’, in dem der Satiriker und Ex-Titanic-Autor Henschel die Kindheit eines Anfang der 60er-Jahre geborenen Jungen beschrieb. Der urkomische und nostalgische Roman war ein vor literarischer Kraft strotzendes Werk. Selbes gilt für den Nachfolger. Etwas Besseres wird man dieses Jahr nicht lesen.“
Hamburger Abendblatt
„Damals schon wollte manch einer gar nicht aufhören mit der Lektüre, so süchtig machte die. Fünf Jahre ließ der Nachfolger auf sich warten, er heißt logischerweise ‚Jugendroman’ und ist genauso toll, witzig, gescheit und anrührend wie sein Vorgänger ... ein glänzendes Stück Rollenprosa ... Die Familienepisoden haben einen phänomenalen Wiedererkennungswert.“
Thomas Andre, Welt Kompakt
„... und wie er die altersbedingt große Fresse Martin Schlossers imitiert, das ist nicht zuletzt stilistisch ziemlich gekonnt.“
Frank Schäfer, Rolling Stone
„Ja, Henschels ‚Jugendroman’ ist pubertär und gehässig – und das ist gut so ... Wer hierüber nicht lacht, der hat auch sonst nicht viel zu lachen.“
André Weikard, junge Welt
„Selten hat man sich in der jüngeren deutschen Literatur so gern mit einem tragischen Helden solidarisiert wie mit Martin Schlosser.“
Hendrik Werner, Westdeutsche Allgemeine Zeitung
„Lieber Herr Henschel, Ihr ‚Jugendroman’ ist gelesen, mit Freude, ja Begeisterung. Ich hab ihn, wie einen richtigen pageturner, in Nullkommanichts weggeputzt. Das Konzept trägt weit, Ihr Stoff ergibt eine männliche Psychologie, eine deutsche Mentalitätsgeschichte und ist also sehr, sehr wertvoll! Weiter so ...“
Katharina Rutschky
Stimmen zu Gerhard Henschels „Kindheitsroman“
„Gutes Buch!“
Wolfgang Herrndorf
„Den Vater im Hobbykeller kann man förmlich hören, manchmal spürt man den Geschmack von Fondue und Ananasbowle.“
Petra Hartlieb, ORF
„... ein ganz wunderbares Buch ... Dokument und Poesie. Deutschland in allem Mief, in aller Liebe und mit allem Drumdunddran. Habe mich in der Küche gleich festgelesen.“
Hans Pleschinski
„Ich hatte viel Vergnügen und war nur schwer von der Lektüre wegzukriegen. Allein für die nötigsten Verrichtungen (Biertrinken, Pizza essen, reden, schlafen, Sex) konnte ich mich für ein Weilchen losreissen. Weil: Wiedersehen macht Freude! Nein, auch so! Und ernsthaft: Ganz famos ist das und liest sich weg wie Russisch Brot. mit Sahne.“
Ira Strübel
„Henschels Mimikry ist nahezu perfekt.“
Der Tagesspiegel
„... eine literarische Wundertüte ...“
Schwarzwälder Bote
„Ein Roman zum Verlieben!“
Schanzer Radio
„Meisterlich.“
Frank Schäfer, Rolling Stone
„Schon bei der Lektüre Ihres großen Briefromans ist mir aufgefallen, daß Sie eigentlich mein Werk in eine ganz andere Zeit hinein ergänzen, ja weiterführen und – ich sag’s Ihnen ganz offen: ich bin sehr froh darüber. Wo hat es das schon mal gegeben!“
Walter Kempowski an Gerhard Henschel, 24. April 2004