„Welt verbrennt ist so ein Meisterwerk klanglicher Relaxation." (Die Zeit 12/2010)
„Clubmusik in Bandbesetzung und mit Suchtfaktor." (De:Bug)
„Festland gelingt eine schöne und tanzbare Balance zwischen Distanz und Empathie." (taz 06.04.10)
„Keine zweite Band klingt wie Festland, und trotzdem ist nichts von einer Originalitätsanstrengung zu hören. Auf ihrer MySpace-Seite zitieren sie unter der Rubrik 'Einflüsse' aus Célines 'Reise ans Ende der Nacht' - das tun nur die Besten." (Spex 03/10)
Essen irgendwann am Anfang der Neunziger Jahre des gewesenen Jahrhunderts. In einer unscheinbaren Hinterhofkneipe am Rüttenscheider Stern legen eine Handvoll Studenten den Grundstein für das, was in den kommenden Jahren zu einem der besten House Clubs Deutschlands werden wird. They call it: Rote Liebe.
Was das alles mit Festland zu tun hat, fragen Sie? Es hilft, die Rote Liebe und deren Umfeld zu kennen, um Festland zu verstehen. „Context is king“, nicht wahr? Thomas Geier, der Drummer und Sänger von Festland war einer der Gründer und DJ´s der Roten Liebe und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch Joachim Schaefer alias Yoshino, der Keyboarder und ebenso Sänger der Band, damals hier und da in den unterschiedlichen Locations der Roten Liebe rumgeturnt ist. Ich weiß nicht, wo sich das andere Mitglied der Band, der Bassist mit den Jazzwurzeln Dietmar Feldmann a.k.a. DDFM, und der malende Texter, Fabian Weinecke, zu dieser Zeit herumgetrieben haben, aber es hätte ihnen sicher gefallen.
Wer genau hinhört, kann immer noch erkennen, wo Stücke wie der Opener „Irre Gleise“ ihre ästhetische Basis haben, wie sich die dekonstruierten Discotrümmerhaufen von Labels wie Strictly Rhythm oder Nervous tief in die rhythmische Basis vieler Festland Stücke eingegraben haben. Und der Anfang von „Welt verbrennt“. Hat da nicht jemand ein Stück geklont oder emuliert oder was auch immer, in dem kleine fluffige Wolken eine Rolle spielen? Oder sollte man das nicht verraten? Egal, es wäre sowieso viel zu einfach „Welt verbrennt“, das zweite Album von Festland nur auf die Formel Clubmusik plus deutsche Texte zu reduzieren. Bei Stücken wie „Unsere Stadt“ haben selbstredend auch der intelligente Krach von Bands wie Sonic Youth Pate gestanden, hier und da erklingt eine Basslinie aus dem sonischen Repertoire des Frühachtziger-Boogie und Thomas Geier hat auch nicht ohne Grund jahrelang bei Die Regierung getrommelt, die nur deshalb nicht so richtig zur Hamburger Schule zählten, weil sie woanders gewohnt haben.
Festland haben mit ihrem zweiten Album ihre stilistische Bandbreite erweitert und zeigen, dass sie ohne weiteres in der vorderen Tabellenhälfte der deutschen Intelligenzmusik mithalten können. Sie haben mitbekommen, was sich in den letzten Jahrzehnten in den spannenden Nischen der Populärmusik so getan hat, und verarbeiten all das, ohne irgendein Genre nachzubeten. Sie wissen, dass die ästhetische Kraft von avancierter Clubmusik noch lange nicht ausgereizt ist und dass einige von ihnen ab und an mal in einem Hörsaal saßen, hat auch nicht geschadet. Texter Fabian Weinecke etwa fallen immer wieder ein paar schicke Sprachbilder ein, die irgendwo zwischen Romantik und dem Erbe französischer Denker aus der Post-irgendwas-Schublade oszillieren, ohne dass es angebermäßig verkopft klingt. Empfindsamkeit, Groove und Intellekt geben sich bei Festland lässig die Hand. Wie viele andere deutsche Bands können das von sich behaupten?

